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Atopisches Ekzem - Therapie PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Dienstag, den 27. April 2010 um 11:28 Uhr

Die Behandlung des atopischen Ekzems umfasst neben der medikamentösen Behandlung auch die Aufdeckung und wenn immer möglich die Vermeidung der individuellen Provokationsfaktoren.

Medikamentöse Therapie

Basistherapie

Da der Erkrankung eine Störung der Hautbarriere zugrunde liegt, die sich klinisch u.a. in einer ausgeprägt trockenen Haut (Sebostase) zeigt, spielen hautpflegerische, die Hautbarriere verbessernde Maßnahmen eine entscheidende Rolle im medikamentösen Behandlungskonzept. Eine konsequente Basistherapie verbesserte signifikant klinisches Bild und auch die subjektiven Parameter Juckreiz und Schlafverlust. Die Basistherapie dient der Wiederherstellung der Barrieredysfunktion, die auch in klinisch unbefallener Haut, die wie die Ekzeme einen erhöhten transepidermalen Wasserverlust aufweist, vorliegt. Eine gestörte Hautbarriere erleichtert auch das Eindringen von Allergenen in die Haut mit nachfolgender Sensibilisierung. Die Basistherapie wird auch dann durchgeführt, wenn die Ekzeme bereits abgeheilt sind und erfüllt somit auch wichtige Präventivaufgaben.

Geeignet sind insbesondere W/O-Emulsionssysteme. Bei der Auswahl der Pflegeprodukte sind

lokalisationsabhängige (ab dem 10. Lebensjahr werden für die Basispflege im Gesicht lipidärmere Produkte verwendet als am übrigen Körper, was durch die mit der Pubertät einsetzende Talgdrüsenaktivität bedingt ist),

jahrezeitenabhängige (die Belastung der Hautbarriere ist in der kalten Jahreszeit deutlich stärker als in der warmen Jahreszeit, weshalb die verwendeten Lipidkonzentrationen in der Regel höher sind) und

allergische (Vermeidung von Inhaltsstoffen gegenüber denen eine Allergie bereits besteht oder die ein hohes allergenes Potenzial besitzen) Faktoren zu berücksichtigen.

Geeignete Feuchthaltefaktoren

Glycerin und Harnstoff sind hervorragende natürliche Feuchthaltefaktoren, die in Bezug auf die Verbesserung der Hautfeuchtigkeit als absolut gleichwertig anzusehen sind. Da Harnstoff bei Kontakt mit ekzematöser Haut brennen kann, empfiehlt sich sein Einsatz nicht vor dem 5. Lebensjahr, da sich zuvor die Kinder bezüglich der Verträglichkeit nicht entsprechend artikulieren können.

Eine Auswahl für die Basistherapie sehr gut geeigneter Basistherapeutika nennt Tabelle 3.

 

Tabelle 3.         Auswahl geeigneter Basistherapeutika

 

Zusatzinformationen

Dexeryl® Creme

Glycerin-Anteil 15%

Neuroderm® Basiscreme

Glycerin-Anteil 20%

Cetaphil Lotion

Paraben-frei

Lipoderm® Lotion

enthält zusätzlich Chlorhexidin und Triclosan, die einen nachgewiesenen Effekt gegen Staphylococcus aureus besitzen

Physiogel intensiv Creme

Verzicht auf klassische Emulgatoren

mit innovativem DMS-System

Rezepturen (bis zum 12. Lebensjahr erstattungsfähig)

 

5% Glycerin in Unguentum

emulsificans aquosum

ad 100,0

relativ wässrige Grundlage; gute Einsatzmöglichkeit in der wärmeren Jahreszeit; auch sehr gut bei erwachsenen Patienten zur Basistherapie im Gesicht

10% Glycerin Aqua 40%

Unguentum Cordes ad 100,0

"Atopiker"-Salbe; reicher als die vorherige Rezeptur, v.a. gute Einsatzmöglichkeit in der kälteren Jahreszeit

 

Topische antientzündliche (antiinflammatorische)Behandlung

Steroide und topische Calcineurin-Inhibitoren

Eine Abheilung der Ekzeme ist häufig auch unter einer konsequenten Basistherapie nicht möglich, so dass zusätzlich antientzündlich wirksame Substanzen zum Einsatz gelangen müssen, die im Zusammenhang mit ihrer antientzündlichen Wirkung auch gleichzeitig den Juckreiz positiv beeinflussen.

Therapie der Wahl sind hierbei die topischen Steroide und insbesondere die Substanzen, die nach Niedner der 4. Steroidgeneration angehören (Tabelle 4), bei denen insbesondere das Atrophie-Risiko bei Anwendung an Stamm und Extremitäten minimal ist.

 

Tabelle 4          Topische Steroide mit einem verbesserten Nutzen-Nebenwirkungsrisiko

Substanz

Präparat

Hydrocortisonaceponat

Retef® AP

Hydrocortison-17-butyrat

Alfason®; Laticort®

Methylprednisolon

Advantan®

Momethasonfuroat

Ecural®

Prednicarbat

Dermatop®; Prednitop®

Momethasonfuroat verfügt über die stärkste antientzündliche Wirksamkeit unter den aufgeführten Substanzen und ist die Substanz der Wahl für die Behandlung infiltrierter Ekzeme.

Seit 2002 stehen mit Pimecrolimus (Elidel® Creme) und Tacrolimus (Protopic® Salbe; 0,03% für Kinder bis 12. und 0,1% ab dem 12. Lebensjahr) zwei weitere immunhemmende topische Wirkstoffe zur Verfügung. Leider dürfen sie erst mit dem 2. Geburtstag eingesetzt werden, was für viele Kinder zu spät ist, da zu diesem Zeitpunkt die Hautveränderungen sich bereits deutlich gebessert hat bzw. sogar abgeheilt ist oder die Substanzen aufgrund der limitierten Wirkstärke dann für viele Kinder nicht mehr ausreichend sind. Da beide Substanzen auch in der Langzeitanwendung über keinerlei atrophogene Potzenz verfügen, werden sie bevorzugt im Bereich "kortison-kritischer" Areale eingesetzt, nämlich zur Behandlung der Hautveränderungen im Gesicht und im Genitalbereich. In der täglichen Praxis ist bei schwerer Erkrankten auch der gleichzeitige oder alternierende Einsatz der topischen Steroide und der Calcineurin-Inhibitoren häufig für eine befriedigende Ekzemstabilisierung notwendig.

 

Fett-feuchte Umschläge zur Behandlung nässender Ekzeme

Bei akuten Verschlechterungen der Ekzeme kann mittels fett-feuchter Verbände eine rasche Hautberuhigung und Ekzemstabilisierung erreicht werden.

In Abhängigkeit des zu behandelnden Hautareals wird der Verband entsprechend zugeschnitten. Für jedes Areal, z.B. Arm oder Bein werden 2 Verbände benötigt.

Das zu behandelnde Hautareal wird mit einer Fettcreme (z.B. Alfason® Basis CreSa oder Excipial® Fettcreme) oder mit einem Kortison-haltigen Präparat (z.B. Alfason® Cresa) dick eingestrichen. Anschließend kommt die 1. Lage feucht auf das zu behandelnde Areal. Darüber kommt die 2. Lage trocken. Tunifast® Schlauchverbände sind für die fett-feuchten Verbände hervorragend geeignet. Sie können circa 15 mal wiederverwendet werden, die Kosten werden auch von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Der Verband führt über den kühlenden Effekt sofort zu einer deutlichen Erleichterung. Nach 4-5 Stunden kann der Vorgang wiederholt werden. Nach 2 bis 3 Tagen hat sich die Haut im Behandlungsareal wieder beruhigt und die normale Behandlung kann wieder aufgenommen werden.

Die folgenden Abbildungen verdeutlichen nochmals die einzelnen Schritte.

  1. Die beiden benötigten Verbände.
  2. Aufstreichen des Pflegepräparates oder des Kortisonpräparates.
  3. 1. Verbandslage: feucht
  4. 2. Verbandslage: trocken

Die beiden benötigten Verbände

 

Aufstreichen des Pflegepräparates oder des Kortisonpräparates.

1. Verbandslage: feucht

2. Verbandslage: trocken

Zahlreiche Wirkstoffe mit lediglich geringer antiinflammatorischer Wirkung

Leider fehlen weitere Wirkstoffe, deren antientzündliche Wirkung mit denen von Steroiden und Calcineurin-Inhibitoren vergleichbar ist. Dies gilt für Gerbstoff-, Phytopharmaka- oder für Schieferöl-haltige Externa.

Bufexamac ist eine Substanz, die eine nur geringe antientzündliche Wirkung besitzt. Problematisch ist jedoch das bei Bufexamac bestehende hohe Risiko für eine Kontaktallergie, die zudem überaus schwer verlaufen kann.Eine aktuelle Untersuchung zur Häufigkeit von Typ IV-Sensibilisierungen zeigte keinen Unterschied zwischen Kindern mit atopischem Ekzem und einer nicht-atopischen Kontrollgruppe mit einer Ausnahme: bei den Kindern mit atopischem Ekzem bestand eine dreimal häufigere Kontaktsensibilisierung gegenüber Bufexamac.

Beeinflussung des Juckreizes durch orale Antihistaminika

Zur Behandlung des Juckreizes reichen die modernen nicht-sedierenden Antihistaminika (Cetirizin, Loratadin, Desloratadin) nicht aus. Zeitlich begrenzt, z.B. für 3 bis 5 Tage, können sedierende Antihistaminika (Dimetiden (Fenistil®, Clemastin (Tavegil®), Doxylamin (Mereprine®), Hydroxyzin (Atarax®)) unterstützend gegeben werden.

 

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Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 27. April 2010 um 11:45 Uhr