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Seborrhoisches Ekzem PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Montag, den 03. Mai 2010 um 10:14 Uhr

Seborrhoisches Ekzem

Synonym: seborrhoische Dermatitis

  • chronisch-rezidivierender Verlauf

  • häufig enorme psychische Belastung erzeugend

  • Stress und Klima sind wichtige Provokationsfaktoren

  • nur eine symptomatische Behandlung steht zur Verfügung

  • topische Antimykotika sind die Therapeutika der ersten Wahl

  • häufig lassen sich sehr gute Ergebnisse mit Kombinationstherapien erzielen

 

Epidemiologe

Die Erkrankung gehört zu den häufigsten Hauterkrankungen überhaupt. Die höchsten

Prävalenzraten mit 4% finden sich in der Gruppe der 35- bis 45-Jährigen, wobei keine Geschlechterpäferenz besteht. Genetische Faktoren spielen keine Rolle.

 

Klinik

Die typischen Prädilektionsstellen der Erkrankung sind das Capillitium, der zentrofaziale Bereich (perinasal, Glabella und Augenbrauen) sowie die vordere und hintere Schweißrinne, wobei jedes der Areale auch isoliert befallen sein kann. Die Haut ist in den betroffenen Bereichen gerötet mit unscharfer Begrenzung zur unbefallenen Haut und weist eine trockene oder auch feuchte, gelbliche Schuppung auf. Der individuelle Ausprägungsgrad hinsichtlich der Entzündungsreaktion sowie des Ausmasses des Befallsgrads weisen hohe Unterschiede auf.

Subjektive Beschwerden fehlen häufig ganz. Ein geringer Juckreiz, im Kopfbereich mehr als im Gesichtsbereich, kann vorkommen. Eine Blepharokonkunktivitis kann isoliert oder zusammen mit Hautveränderungen vorliegen.

Typisch ist von Seiten der Patienten die Angabe, dass Stressituationen zu einer Verstärkung der Hautveränderungen führen. Auch klimatische Faktoren spielen eine Rolle mit Besserung im Sommer und Verschlechterung im Winter.

 

Klinische Abbildung

Seborrhoisches Ekzem

Abbildung 1. Seborrhoisches Ekzem. Perinasal findet sich ein unscharf begrenztes Erythem mit feuchter mittellamellöser Schuppung.

Seborrhoisches Ekzem

Abbildung 2. Seborrhoisches Ekzem. Im Brustbereich zeigen sich schuppende Rötungen.

 

Pathogenese

Bis heute ist die Pathogenese der Erkrankung nicht vollständig bekannt. Der Name seborrhoisches Ekzem ist eigentlich nicht korrekt, da bei den Erkrankten keine erhöhte Sebumsekretion nachzuweisen ist. Obwohl gegen Pilze-gerichtete Substanzen (Antimykotika) die Behandlung der ersten Wahl darstellen, besteht keine Korrelation zwischen der Zahl der Hefepilzorganismen (Malassezia-Erreger) und dem Vorhandensein oder der Schwere der Erkrankung. Heute wird angenommen, dass im Rahmen des Entzündungsprozess Pilzmetaboliten, insbesondere freie Fettsäuren eine bedeutende Rolle zufällt.

 

Diagnose

Das seborrhoische Ekzem wird klinisch diagnostiziert. Das typische klinische Bild und der chronisch-rezidivierende Verlauf sind wegweisend. Erkrankungs-spezifische Laborparameter gibt es nicht. Differentialdiagnostisch ist v.a. die Psoriasis abzugrenzen (Tabelle 1).

 

Tabelle 1.

Differentialdiagnose des seborrhoischen Ekzems und Abgrenzungsmöglichkeiten

 

Psoriasis

im Haarbereich reichen die Hautveränderungen über die Stirn-Haar-Grenze; Befall weiterer Lokalisationen, insbesondere Analfalte

atopisches Ekzem

starker Juckreiz, der zu aufgekratzten Veränderungen im Kopf- und Gesichtsbereich führt; häufig sind die Hautveränderungen auch stärker infiltriert

chronisch-diskoider Lupus erythematodes

Hautveränderungen sind stärker infiltriert; trockene Schuppung; Hautveränderungen eher im Wangenbereich

 

Therapie

Behandlungsziel ist die klinische Erscheinungsfreiheit. Eine vollständige Heilung ist nicht möglich, so dass Rezidive die Regel sind. Es kann allerdings versucht werden, den wiederholten Erkrankungen mit geeigneten Haarpflegeprodukten vorbeugen. Die Behandlung ist in erster Linie eine Domäne der topischen Therapie und erfolgt in Abhängigkeit der Lokalisation mit unterschiedlichen galenischen Darreichungsformulierungen.

Topische Antimykotika sind die Substanzen der 1. Wahl. Zum Einsatz gelangen bevorzugt Ketokonazol und Ciclopiroxolamin, die in den Lokalisations-entsprechenden Darreichungsformen Gel, Creme, Schaum und Shampoo zur Verfügung stehen.

Im Gesicht eignen sich bevorzugt Cremeformulierungen, wobei Terzolin® Creme und Nizoral® Creme morgens und abends auf die befallenen Areale aufgetragen werden. Eine vollständige Abheilung sollte sich innerhalb von 10 Tagen zeigen. Zeigt sich diese nicht, kann abends an Stelle des Antimykotikums ein topisches Steroid, z.B. Dermatop ® Creme verwendet werden. Während Terzolin® Creme und Nizoral® Creme lediglich apothekenpflichtig sind, wird für die Dermatop ® Creme eine Verordnung benötigt.

Alternativ kann auch Elidel® Creme oder Protopic® Salbe verwendet werden, wobei beide Substanzen gegenüber dem topischen Kortison den Vorteil haben, dass sie niemals eine Hautatrophie, d.h. eine Verdünnung der Haut auslösen können. Die Therapierichtlinien für den Gesichtsbereich gelten auch analog für den Sternalbereich.

Im Kopf wird die Behandlung mit Antimykotika-enthaltenden Shampoos durchgeführt, wobei aufgrund ihrer Wirkung und Pflegewirkung das Miconazol-haltige Eucerin® Schuppenshampoo und das Ciclopiroxolamin-haltige Kelual® DS Shampoo besonders zu empfehlen sind. Initial erfolgt die Behandlung täglich. Nach Abheilung wird eine Anwendung ein-oder zweimal pro Woche zur Rezidivvermeidung empfohlen. Klingen die Hautveränderungen oder der Juckreiz mit dem Einsatz der Shampoos nicht ab, kann übernacht die Applikation eines Kortisons empfohlen werden, wobei sich die Alfason® CreLo oder Dermatop® Lösung mit Schaumapplikator gut bewährt haben.

Sprechen die Hautveränderungen auch auf die genannten Kombinationstherapien nicht oder nur ungenügend an, kann zusätzlich die orale Gabe von 400mg Itraconazol (2-0-2; Kapseleinnahme zusammen mit einer Mahlzeit) an den ersten 3 Tagen eines Monats empfohlen werden.

Tabelle 2. Wirkstoffe und Darreichungsformen, die bei der Behandlung des seborrhoischen Ekzem zum Einsatz gelangen

Wirkstoff

®

Darreichungs-Form

ANTIMYKOTIKUM

topisch:

Ketoconazol 2%

Nizoral

Creme

 

Terzolin

Creme

Pirocton-Olamin

Eucerin Schuppenshampoo (zusätzlich Climabzol als Wirkstoff)

Shampoo

Ciclopiroxolamin

Batrafen

Creme; Gel, Lösung, Shampoo

 

Kelual DS (zusätzlich Zinkpyrithion als Wirkstoff)

Shampoo

oral:

Itraconazol

Sempera

Kapseln

STEROID (topisch):

Hydrokortisonbutyrat

Alfason

Creme; CreLo

Prednicarbat

Dermatop

Creme; Lösung

Calcineurin-Inhibitoren (topisch):

Pimecrolimus

Elidel

Creme

Tacrolimus

Protopic

Salbe

 

Autor: Prof. D. Abeck, Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten, München

Literatur

Abeck D Seborrhoisches Ekzem. S. 91-94 in Abeck D Häufige Hautkrankheiten in der Allgemeinmedizin. Springer, Berlin (2010)

Naldi L, Rebora A Seborrheic dermatitis. N Engl J Med 2009;360:387-396

Shuster S, Meynadier J, Kerl H, Nolting S Treatment and prophylaxis of seborrehic dermatitis of the scalp with antipityrosporal 1% ciclopirox shampoo. Arch Dermatol 2005;141:47-52

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 15. Februar 2011 um 15:40 Uhr