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Atopisches Ekzem - Klinik PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Dienstag, den 27. April 2010 um 09:52 Uhr

Weitere synonym verwendete Bezeichnungen: atopische Dermatitis, endogenes Ekzem, Neurodermitis

  • Der Name ist lediglich eine "Worthülse". Die Einordnung erfolgt individuell.
  • Die Mehrzahl der Erkrankungen verläuft leicht.
  • Allergien sind nur für einen kleinen Teil der Erkrankungsfälle relevant. Irritative Faktoren spielen als Auslöse- und Unterhaltungsfaktoren eine viel grössere Rolle.
  • Der Basistherapie, d.h. der Hautpflege unter Verwendung von Hautpflegeprodukten und Ölbädern kommt im Management der Erkrankung eine wichtige Rolle zu.
  • Für die antientzündliche Behandlung gibt es eine Vielzahl sicherer äußerlich einsetzbarer Kortisonpräparate.
  • Behandlungsdefizite bestehen für die Patienten mit schwerem atopischen Ekzem.

Auftretenshäufigkeit und Geschlechtsverteilung

Das atopische Ekzem ist überwiegend, jedoch nicht ausschließlich eine Erkrankung der ersten Lebensjahre. Epidemiologische Untersuchungen ergaben aktuelle Prävalenzen bei Kindern zwischen 8 und 16% in unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen. Im Erwachsenenalter liegen die Zahlen mit 1 bis 2% deutlich geringer. Die Lebenszeitprävalenz in Deutschland wird mit 13,2% angegeben. Eine eindeutige Bevorzugung eines Geschlechts liegt bei der Neurodermitis nicht vor.

Erstmanifestationszeitpunk und Verlauf

Obwohl das atopische Ekzem in jedem Lebensalter erstmals auftreten kann, beginnt es vorwiegend im Säuglings- und Kleinkindesalter. 60% der Patienten erkranken bereits im 1. Lebensjahr, 85% bis zum 5. Lebensjahr. Mehrheitlich treten die ersten Hautveränderungen um den 3. Lebensmonat auf, ein noch früherer Beginn ist jedoch möglich. Eine vollständige Abheilung des atopischen Ekzems wird im Säuglings- und Kleinkindesalter in circa der Hälfte aller Fälle beobachtet. Bei den übrigen Patienten besteht das atopische Ekzem in unterschiedlichem Schweregrad fort, wobei bei fast einem Drittel der Kinder mit einem kontinuierlichen Verlauf gerechnet werden muss.

Leichte Verläufe sind die Regel

90% der Erkrankungsfälle sind als leicht einzuordnen und lassen sich sehr gut behandeln. Bis heute immer noch unbefriedigend sind die Behandlungsoptionen bei schweren Verläufen. Unter Berücksichtigung der hohen Lebenszeitprävalenz ist bei 5% schwer verlaufenden Fällen von 400 000 Betroffenen auszugehen.

Grosse klinische Variationsbreite

Das klinische Bild ist sehr vielgestaltig und zeigt alters- wie auch Phasen-abhängige Unterschiede. Neben schuppenden Rötungen, die je nach Schwere und Bestehensdauer verschieden stark verdickt (infiltriert) sind, können zusätzlich Bläschen und Knötchen (Papulovesikel), aufgekratzte (exkorierte) Veränderungen, aber auch nässende und mit Krusten bedeckte Areale imponieren. Der Befallsgrad kann von lokalisierten Ekzemen, z.B. Handekzem, Lidekzem, Fussekzem bis in schweren Fällen zum Befall des gesamten Integuments reichen.

Altersabhängig finden sich bevorzugte Lokalisationen und Ekzemmorphen. Während im Säuglingsalter die Veränderung überwiegend durch nicht-infiltrierte Erytheme gekennzeichnet sind, die auch häufig exsudative Veränderungen aufweisen, entwickeln sich im Kleinkind- und Vorschulalter die eher beugenbetonten Ekzemherde, die vorwiegend im Bereich der Kniekehlen, Ellenbeugen, am Hals, aber auch am Nacken, im Gesicht, insbesondere an den Lidern, an Fußrücken und Händen auftreten. Hier imponieren die Veränderungen auch gerne als nummuläre Herde. Im Erwachsenenalter sind neben den großen Gelenkbeugen Gesicht und Hals bevorzugt befallen. Zudem besteht meist eine ausgeprägte Sebostase.

 

Abbildung 1. Atopisches Ekzem. Typische Beugenekzeme. Im Bereich der Ellenbeugen flächige, schuppende Rötungen.

 

Abbildung 2. Atopisches Ekzem. Typische Beugenekzeme. Im Bereich der Ellenbeugen zeigens sich unscharf begrenzte, infiltrierte Rötungen mit zahlreichen Kratzexkoriationen

 

Abbildung 3. Atopisches Ekzem. Schweres atopisches Ekzem des Säuglingsalters. Am ganzen Körper finden sich infiltrierte schuppende Rötungen, die zerkratzt sind und teilweise von Schuppenkrusten bedeckt sind.

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Abbildung 4. Atopisches Ekzem. Schweres atopisches Ekzem im Erwachsenenalter. Flächige Erytheme mit nässenden Hautveränderungen im Kinn und am Hals

 

Pathogenese

Das atopischem Ekzem ist eine Komplexerkrankung auf polygenetischer Basis. Barrierezentrierte, immunologische und hormonelle Auffälligkeiten charakterisieren die Erkrankung (Tabelle 1).

Tabelle 1

Bedeutsame Faktoren in der Pathophysiologie des atopischen Ekzems

  • Barrierestörung (veränderte Lipidzusammensetzung des Stratum corneum;Filaggrin-Veränderungen)
  • Defekt der T-Helfer-1-Subpopulationen, TH2-dominierte Immunantwort in der Akutphase
  • verstärkte Produktion von Interleukin-4, Interleukin-5, Interleukin-13 u.a.
  • verstärkte Expression von hochaffinen IgE-Rezeptoren (FceRI) auf Langerhans-Zellen der Haut
  • Nachweis von inflammatorischen dendritischen Zellen in läsionaler Haut mit sehr hoher (FceRI)-Expression
  • ß-adrenerge Blockade in Kombination mit einer verstärkten a-adrenergen und cholinergen Hyperreaktivität
  • neurohormonale Faktoren

Leider hat der enorme Wissenszuwachs im Bereich der Grundlagenforschung bis heute kaum Eingang in die Therapie gefunden.

Diagnosestellung

Die Diagnose "atopisches Ekzem" wird klinisch gestellt. Ein für die Erkrankung spezifischer Laborparameter fehlt. Neben den objektiven Hautveränderungen ist das Vorhandensein von Juckreiz für die Diagnose entscheidend.

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Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 28. September 2010 um 08:44 Uhr